Campingurlaub für Schwerstbehinderte

Der mildtätige Verein MS-Mobil aus Langballig beschafft und vermietet behindertengerecht umgebaute, rollstuhlgeeignete Wohnmobile an schwerbehinderte Reiselustige. Im Interview gibt Gründer und Geschäftsführer Friedrich A. Engberding Einblick in die Arbeit des norddeutschen Vereins und stellt sich als neuer Partner im Philip Julius Netzwerk vor.

PJeV: Campingurlaub mit einem schwerstbehinderten Menschen? Geht das überhaupt?
Friedrich A. Engberding: Meine Frau war schwerstbehindert und pflegebedürftig. Wir haben fast nur Campingurlaub mit einem Wohnmobil oder Wohnwagen gemacht. So mussten wir nicht aufwändig nach passenden Hotels suchen sondern hatten immer ein behindertengerechtes Wohnumfeld mit dabei.

Warum gründet man einen solchen Verein?
Die Idee kam von meiner Frau. Wir hatten recht früh viele Menschen mit starken Behinderungen kennen gelernt, die aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen nicht in der Lage waren, Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu machen und die auch keine entsprechenden Unterkünfte fanden. Unser privates Engagement wurde dann schnell zum Verein.

Wer ist Eure Zielgruppe?
Unser Verein ist für alle schwerstbehinderte Menschen da. Das Alter spielt für uns keine Rolle. Vielfach sind es Familien, in der eine Person behindert ist, Erwachsener oder auch Kind.

Wieviel Vorlauf braucht Ihr für die Planung?
Eine Vorausplanung von mindestens einem Jahr ist ganz wichtig. Wir sind ein kleiner Verein mit nur zwei Mobilen. Dazu kommt, dass wir einmalig sind. In ganz Europa sucht man vergeblich nach weiteren gemeinnützigen Einrichtungen unserer Art. So sind wir stark nachgefragt.

Gibt es Menschen, die Ihr besonders ermutigen möchtet, sich an Euch zu wenden?
Ja, ganz besonders die Menschen, die ihre Zeit zu Hause oder in Heimen verbringen und kaum die Möglichkeit haben, etwas von der Welt zu sehen.

Welche Reisetipps gibst Du gern? / Was sind die Top 3 der Dinge, die man mit einem schwerbehinderten Menschen im Campingurlaub einmal gemacht haben sollte?
Familien mit behinderten Kindern sollten Urlaub an der See machen, am besten an der Ostsee. Dort gibt es kleine gut ausgestattete Campingplätze.

Mit Jugendlichen und Erwachsenen sind Städtebesichtigungen und Naturreisen angesagt, dazu steht ganz Europa zur Verfügung.

Wohin reist Du persönlich am liebsten?
Als meine Frau noch lebte, sind wir gerne nach Norwegen und in die Toskana gefahren. Heute ziehe ich das Baltikum oder die klassische Deutschlandreise vor.

Hier gibt es weitere Informationen über den MS-Mobil e.V.

Hier gehts zur Website des MS-Mobil e.V.

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