Urlaubstest: Wohlfühl-Oase für beatmete Kinder

Wir haben für Euch das Kinderhaus Luftikus getestet. Mitten im Herzen des Nationalparks Schwarzwald, umgeben von Feldern und Wiesen liegt das weitläufige Areal einer ehemaligen Ski-Fabrik. Heute bietet es nicht nur ein liebevolles Zuhause für 10 dauerbeatmete Kinder und Jugendliche. Auch können Familien, die ein schwerstbehindertes Kind zuhause pflegen, im Luftikus Urlaub machen. Ein Grund für uns, uns das Haus einmal genauer anzuschauen.

Unser Empfang hätte herzlicher nicht sein können. Wir werden begrüßt von Birgit und Markus Stiletto, den Initiatoren des Projektes. Für zwei Wochen haben sie uns die beiden Apartments im Haus zur Verfügung gestellt, damit zwei Familien für uns als Urlaubstester tätig werden konnten. Wir haben diese Familien begleitet. Eine davon besteht aus Andrea und ihren beiden Teenager-Söhnen Tim und Ben.

Um mit ihrem Sohn Ben verreisen zu können, braucht Andrea viel Stauraum, denn der Jugendliche ist schwerstbehindert und wird künstlich beatmet. Rund um die Uhr pumpt eine Maschine Atemluft in seinen Körper. Mit Ben in den Urlaub zu fahren, heißt mit einem mobilen Pflegezimmer in den Urlaub zu fahren. Sauerstoffkonzentrator, Rollstuhl, Therapiestuhl, Pakete voller Windeln, Lagerungskissen, Medikamente… an alles muss gedacht sein.

„Für Familien wie uns gibt es nicht viele Orte, wo wir wirklich Urlaub machen können.“, sagt Andrea, als wir das erste Mal über die Reise sprechen. „Im Urlaub kann ich mich nur entspannen, wenn ich weiß, dass Ben gut versorgt ist. Er braucht rund um die Uhr jemanden, der sich um ihn kümmert. Das geht auch zuhause nur mit einem Pflegedienst. Diesen Pflegedienst kann ich jedoch selten mit in den Urlaub nehmen.“

Das Kinderhaus Luftikus bietet für Familien wie Andreas die perfekte Lösung. Die Eltern verbringen ihren Urlaub in einem der Apartments, das schwerstbehinderte Kind wird im Pflegebereich untergebracht und dort versorgt. Wie viel Pflege Andrea selbst übernehmen will, kann sie entscheiden. Gemeinsam mit ihrem Sohn erkundet sie die nähere Umgebung oder geht im Park spazieren. Für ausgedehnte Wanderungen oder Erkundungstouren in der Umgebung bleibt Ben im Kinderhaus zurück.

Aber auch Ben bekommt im Urlaub im Kinderhaus Luftikus neue Impulse. Ganz selbstverständlich wird er in den Tagesablauf des Hauses integriert und nimmt an Therapien und Freizeitangeboten teil.

Eine besondere Faszination übt auf Ben die Musiktherapie mit Musiktherapeuten Werner Finis aus. „Ich habe Ben lange nicht mehr so intensiv auf etwas reagieren sehen.“, freut sich Andrea mit Tränen in den Augen. Sie nimmt sich vor, Bens Therapeuten zuhause und seinen Lehrern in der Schule von dem Erlebnis zu erzählen und ihnen Videoaufnahmen zu zeigen. „Bei einem Kind wie Ben freut man sich über jede Reaktion, jeden kleinen Fortschritt.“
(Ausschnitte aus Bens Musiktherapie im Einrichtungsportrait.)

Für Andrea ist der Urlaub ein Erfolg. „Ben wurde im Kinderhaus perfekt versorgt. Für mich heißt das, dass ich mal abschalten konnte. Ich musste mich nicht darauf konzentrieren, Bens komplexen Zeitplan einzuhalten, sondern konnte ein Stück weit in den Tag hinein leben, mich entspannen.“

Zufrieden tritt die Familie die Heimreise an. Längst hat sie sich vorgenommen, im nächsten Jahr wiederzukommen.

Carsten, Natascha, Andrea, Paul und Tim entspannen auf der Terrasse © Kinderhaus Luftikus

„Für Familien, die ein schwerst pflegebedürftiges Kind Zuhause betreuen, gibt es kaum Möglichkeiten, einmal raus zu kommen. Sie befinden sich in einem 24/7-Hamsterrad.“ berichtet Birgit Stiletto von der Idee, ein Urlaubsangebot für solche Familien zu schaffen. „Die Familien sollen zu uns kommen und sich von der ersten Minute an wohl fühlen. Wir bieten für sie das Rundum-Sorglos-Paket.“

Für Familien, die Im Kinderhaus Luftikus Urlaub machen möchten, gibt es mehrere Möglichkeiten, den Aufenthalt zu organisieren und zu finanzieren. Wie es funktionieren kann, zeigen wir hier im Gespräch mit Birgit Stiletto.

Mehr über das Kinderhaus Luftikus:

Homepage des Kinderhaus Luftikus in Baiersbronn

Portrait über das Kinderhaus Luftikus auf unsrer Seite

Kinderhaus Luftikus auf YouTube

Luftikus ist Mitglied in der Deutschen Fachpflege Gruppe

 

2 Gedanken zu „Urlaubstest: Wohlfühl-Oase für beatmete Kinder

  1. Veronika Meier

    Also erst mal mus ich was korrigieren. Ben wird nicht künstlich beatmet , er ist vielmehr auf Sauerstoffgabe angewiesen.ich arbeite mit solchen Erwachsenen die in Bens Zustand sind
    Ansonsten finde ich solche Einrichtungen super , schön deshalb das die Pflegenden Eltern mal entlastet werden und auch mal neue Kraft sammeln können . Die 24 Stunden Pflege ist sehr kraftaufwendig zumal die Mutter von Ben noch dem Bruder gerecht werden mus.
    Schön das es noch Investoren gibt die an Besondere Kinder und deren Eltern denken und ihnen dadurch einen Urlaub ermöglichen.

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    1. Natascha Frehe

      Liebe Veronika Meier,
      ich möchte einmal kurz ergänzen das der kleine Junge am Anfang des Videosunser Sohn Paul ist und du hast recht er wird nicht künstlich beatmet. Er hat eine nicht invasive Form der Beatmung. Er bekommt die Atemunterstützung durch den My Airvo 2+. Dieses Gerät bringt durch einen Flow feucht warme Luft in die Lunge. Je nach Bedarf kann aber auch so wie du oben beschrieben hast, Sauerstoff angeschlossen werden. Im Video inhaliert der Paul aber gerade mit dem My Airvo 2+ der mit dem Aeroneb Inhalator verbunden ist. Ben ist der große Junge mit dem Tracheostoma im Video und er wird tatsächlich künstlich beatmet. Ich muss sagen wir hatten einen wirklich schönen Urlaub. Noch mal einen herzlichen Dank dafür an Philip Julius und den Luftikus.

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