Pflegestufenreform – was kommt in 2017?

Für 2017 steht eine umfassende Reform in der Pflege bevor. Nicht nur Betroffene sondern auch Experten kritisieren schon seit geraumer Zeit, dass die Pflegeleistungen in vielen Fällen nicht an die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen angepasst sind. Das soll sich nun mit der Pflegereform ab 2017 ändern. Der Begriff der Pflegebedürftigkeitsbegriff wird neu definiert. Er wird geistige Erkrankungen mehr in den Vordergrund rücken. Psychische und physische Faktoren der Pflegebedürftigkeit werden also zunehmend gleichgesetzt. 

Aus Pflegestufen mach Pflegegrade

Zunächst einmal ändert sich ab 2017 die grundlegende Begrifflichkeit: aus Pflegestufen werden Pflegegrade. Dahinter steckt eine neue Abstufungen, die insbesondere darauf abzielt, Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz besser gerecht zu werden. Ab 2017 bekommen diese aller Voraussicht nach den jeweils höheren Pflegegrad zugesprochen. Wie der Transfer genau von statten gehen soll, wird aktuell noch diskutiert. Manget jedoch davon aus, dass eine Übersetzung wie folgt passieren wird:

Pflegestufe 0 → Pflegegrad 1
Pflegestufe 1 → Pflegegrad 2
Pflegestufe 1 + eingeschränkte Alltagskompetenz → Pflegegrad 3
Pflegestufe 2 → Pflegegrad 3
Pflegestufe 2 + eingeschränkte Alltagskompetenz → Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 → Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 + eingeschränkte Alltagskompetenz → Pflegegrad 5
Härtefall → Pflegegrad 5

NBA – das Neue Begutachtungsassessment

Auch im NBA wird weiterhin bewertet, inwiefern die Pflegebedürftigen in der Lage sind, ihren Alltag selbst aktiv zu gestalten. Dabei ist Selbstständigkeit das neue Kriterium bei der Einstufung. Neu ist, dass diese nicht nur in Bezug auf die körperliche Ebene beurteilt wird, sondern auch die geistige und emotionale Verfassung mit einbezogen wird. Neuer Maßstab für Pflegebedürftigkeit ist also die Abhängigkeit von personeller Hilfe, nicht nur bei einigen Verrichtungen der Grundpflege sondern in allen relevanten Bereiche der elementaren Lebensführung.

Auf die bisherige Zeitmessung wird dabei bei Neueinstufungen verzichtet werden. Stattdessen werden Punkte auf einer Skala von 0 bis 100 vergeben, nach denen dann eine Einteilung in eine der fünf Pflegegrade erfolgt.

Die Begutachtungskriterien im Überblick

Folgende Begutachtungskriterien werden im NBA berücksichtigt:

1) Hilfen bei Alltagsverrichtungen
Wie viel Zeit braucht der / die Pflegebedürftige für alltägliche Verrichtungen?
2) Psychosoziale Unterstützung
Wie viel Hilfebedarf hat der / die Pflegebedürftige im Hinblick auf psychosoziale Unterstützung?
3) Nächtlicher Hilfebedarf
Wie viel Unterstützung ist während der Nacht vonnöten?
4) Präsenz am Tag
Wie lange kann der / die Pflegebedürftige am Tag allein zurecht kommen?
5) Unterstützung beim Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen
Wie viel Unterstützung braucht der / die Pflegebedürftige bei krankheitsbedingten Anforderungen (z.B. bei der Medikamenteneinnahme)?
6) Organisation der Hilfen
Wer übernimmt die Hilfeleistungen?

Welche Voraussetzungen gelten für die Pflegegrade?

Diese Tabelle bietet einen Richtwert, welche Voraussetzungen pro Pflegegrad erfüllt sein müssen.

Pflegegrad Grundpflege Psychosoziale Unterstützung Nächtliche Hilfen Präsenz tagsüber
Pflegegrad 1 27-60 Minuten bis 1x täglich nein nein
Pflegegrad 2 30-127 Minuten bis 1x täglich 0-1x nein
Pflegegrad 2
mit eingeschränkter Alltagskompetenz
8-58 Minuten 2-12x täglich nein weniger als 6 Stunden
Pflegegrad 3 131-278 Minuten 2-6x täglich 0-2x weniger als 6 Stunden
Pflegegrad 3
mit eingeschränkter Alltagskompetenz
8-74 Minuten 6x täglich bis ständig 0-2x 6-12 Stunden
Pflegegrad 4 184-300 Minuten 2-6x täglich 2-3x 6-12 Stunden
Pflegegrad 4
mit eingeschränkter Alltagskompetenz
128-250 Minuten 7x täglich bis ständig 1-6x rund um die Uhr
Pflegegrad 5
mit eingeschränkter Alltagskompetenz
24-279 Minuten mind. 12x täglich mind. 3x rund um die Uhr

Wer zahlt die Pflegereform?

Die Pflegereform bringt mehr Leistungen für Pflegebedürftige. Dies muss finanziert werden. Allein bis zum Jahr 2017 werden zusätzlich 4,8 Milliarden Euro an Ausgaben veranschlagt. Danach rechnet die Bundesregierung mit jährlich 2,4 Milliarden Euro an Mehrausgaben.

Finanziert werden die Leistungen der Pflegeversicherung auch künftig durch die Mitglieder. Sie müssen in Zukunft 0,5 Prozentpunkte mehr für die Pflegeversicherung zahlen.

(Quelle: Analysen für die Entwicklung von Empfehlungen zur leistungsrechtlichen Ausgestaltung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, Abschlussbericht von Dr. K. Winterfeld und Dr. B. Gansweid im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, April 2013)

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