Kraft der Gemeinschaft: Ferienfahrt nach Dänemark

Bereits seit sieben Jahren organisiert der Verein Wohnen nach Wunsch e.V. Ferienfahrten für Familien mit schwerstbehinderten Kindern nach Dänemark. Was in 2008 im kleinen Rahmen mit der Belegung von vier behindertengerechten Ferienhäusern für eine Woche in Marielyst auf Fahlster begann, wurde innerhalb weniger Jahre zum Erfolgsprojekt, das sich immer größerer Nachfrage erfreut. In diesem Jahr werden stolze dreizehn Häuser für vier Wochen angemietet, wobei die Teilnehmer nach zwei Wochen wechseln. Insgesamt erwarten die Organisatoren rund um Annelie Keckstein knapp 200 Personen.

© Annelie Keckstein

© Annelie Keckstein

Ausflüge für die gesamte Familie, geselliges Beisammensein oder einfach die Seele baumeln lassen. Annelie, Mutter von Christina (28), die vor zwölf Jahren einen Hirnschaden erlebt und seither im Wachkoma liegt (siehe auch „Erzähl doch mal…Annelie!“), weiß, wie wichtig es für pflegende Angehörige ist, von Zeit zu Zeit zusammen mit ihren Familien vom schweren Pflegealltag entlastet zu werden und gemeinsam auszuspannen.

Bereits im Jahre 2003, weit vor Christinas Unfall, kamen Annelie und ihre damals noch gesunde Tochter bei einem Spaziergang in Kontakt mit den Anbietern von Cimbria Ferie. Sie erfuhren von der Planung von Ferienhäusern speziell für Menschen mit Handikap auf Falster, ausgestattet mit Pflegebetten, mit Liftern, Toiletten-Duschstühlen und Whirlpools. Die beiden besichtigten an diesem Tag auf Einladung des Bauherren sogar noch die Baustelle, nichtsahnend, dass sie wenig später selbst zur Zielgruppe zählen würden.

„Durch den folgenschweren Unfall seines Kindes wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen. Man muss sich erst einmal wieder sortieren und neu laufen lernen. Den ersten Urlaub mit Christina machten wir wieder 2005. Das war noch in der Zeit, als sie in der Reha war. Es war anstrengend, aber es funktionierte.“, so Annelie.

© Cimbria Ferie

© Cimbria Ferie

In 2006 besann sich die Familie auf die dato frisch fertig gestellten Häuser in Marielyst zurück und wagte den Versuch. Das Experiment glückte, der Urlaub war für die ganze Familie erholsam. „Viele Familien trauen sich einen solchen Urlaub jedoch nicht zu. Sie haben Angst vor der Organisation, denn man muss an so vieles denken, oder ihnen fehlen – und das ist noch  schlimmer – schlicht die finanziellen Mittel.“, beklagt Annelie.

Dieser Gedanke ließ Annelie nichtmehr los und getreu nach dem Motto „Geht nicht gibt’s nicht“ ging Annelie auf Sponsorensuche. Ihr erklärtes Ziel war es, genug Geld zusammen zu bekommen, um auch Familien, die finanziell etwas schlechter gestellt sind, einen gemeinsamen Urlaub mit ihrem behinderten Kind zu ermöglichen. Drei Jahre später stand dann die Finanzierung und die erste Ferienfreizeit wurde geplant.

Das Konzept sieht vor, dass betroffene Familien nur eine geringe Zuzahlung leisten müssen. Unterkunft und Fähre sowie viele kleine Annehmlichkeiten vor Ort werden organisiert. Auch um viele Hilfsmittel, je nach individuellem Bedarf der Familien, kümmern sich die Veranstalter. Um zusätzliche Entlastung zu bieten, werden die Fahrten von mindestens einer erfahrenen Pflegekraft begleitet, die auch einmal eine Betreuungsschicht übernehmen kann. Doch das wichtigste ist für Annelie die Kraft der Gemeinschaft. „Man braucht niemanden seine Situation zu erklären, alle sitzen im selben Boot. Besonders ist auch der Austausch über Erfahrungen mit Reha-Einrichtungen, Hilfsmitteln und mit Pflegediensten. Die Familien finden so den Mut, einmal etwas Neues auszuprobieren, sich an Unternehmungen heranzuwagen, andere Therapien zu versuchen.“

© Annelie Keckstein

© Annelie Keckstein

Zum Angebot gehören auch organisierte Aktivitäten, den denen die Familien teilnehmen können. Auf dem Programm stehen neben Grillfest und Sonntagsmenü mit Spargel und Schinken verschiedenartige Ausflüge. In der nahen Umgebung kann man den Zoo und Botanischen Garten in Nyköbing, den Knutheborg Safari-Park und das BonBon-Land, einen großen Freizeitpark in Holme, bequem erreichen. Wer darüber hinaus etwas unternehmungslustiger ist, unternimmt auf eigene Faust Tagestouren nach Kopenhagen oder zu den Kreidefelsen Moen Klint. Nach Absprache kann das Kind in dieser Zeit betreut werden.

Die ersten Reservierungen für 2016 sind bereits eingegangen. Durch die Unterstützung großzügiger Spender kostet der Urlaub 150 Euro pro Person und Woche. Darin enthalten sind die Hausmiete, die Fährkosten, das Kuchenbuffet zur Begrüßung, die Brötchen morgens an der Tür, das Sonntagsmenü sowie ein Grillfest.

Kontakt: Wohnen nach Wunsch e. V., Annelie Keckstein, Hudehof 27, 201505 Geesthacht-Tesperhude, Tel: 0 41 52 83 70 04, Mail: Annelie.Keckstein@t-online.de (mehr Informationen)

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