Archiv der Kategorie: Anders und doch normal

Anders und doch normal (10)

Liebe Philip Julius Leser,

jetzt ist schon einige Zeit seit meines letzten Artikels vergangen und Evan und ich haben manches zu berichten. Wir sind mittlerweile umgezogen und dürfen Kühe und Schafe als unsere neuen Nachbarn nennen. Endlich angekommen in unserer Villa Kunterbunt. Wir sagen der Besorgnis und Angst zu laut zu sein: “Tschüss“. Freiheit – wir sind da! Und noch etwas Essenzielles ist neu in unserem Leben: Aus 2 wurden 3. Wir haben einen neuen Mitbewohner. Aber darüber berichte ich später noch etwas ausführlicher. Weiterlesen

Anders und doch normal (9)

Liebe Philip Julius Leser,

es weihnachtet sehr. Eigentlich schon fast überall. Zumindest in Supermärkten, Kaufhäusern, auf den Weihnachtsmärkten und ganz besonders in meiner Nachbarschaft. Oft fahren Evan und ich einen großen Umweg zu uns nach Hause, damit wir in aller Ruhe die vielen Lichter und die Dekorationen an den Häusern bewundern können. Ein Haus hat es uns beiden ganz besonders angetan. Unser ganz persönliches Lieblingshaus. Unser Weihnachtshighlight. Ein Haus, an dessen Hauswand dank Lichtprojektionen Schneemänner und Weihnachtsmänner lustig spazieren gehen. Evan ist jedes Mals aufs Neue begeistert und lautiert glücklich vor sich hin: „DA, DA“. Weiterlesen

Anders und doch normal (8)

Liebe Philip-Julius Leser,

“­Gib jedem Tag die Chance der Schönste deines Lebens zu werden“,

kommt Ihnen dieser Spruch bekannt vor?

In fast jedem Supermarkt oder Möbelhaus läuft einem mittlerweile dieser Satz über den Weg. Auf Tassen, Frühstücksbrettchen oder auf einem Klodeckeln. Ja, richtig. Auf einem Klodeckel! Dort habe ich ihn letzte Woche zufällig entdeckt. Ich konnte diesem Spruch noch nie wirklich viel abgewinnen. Ein wenig zu rosig. Ein wenig zu positiv für meinen Geschmack.   Weiterlesen

Anders und doch normal (7)

Liebe Leser,

sich eine Auszeit zu nehmen, eine kleine Pause vom Alltag, ist eine schöne und wohltuende Tat. Aber was macht man mit einer Auszeit, die gar keine Auszeit ist?

Ich nehme mir eine Auszeit. Eine bewusst gewählte Auszeit. Um einfach mal wieder zu mir zu finden. Wer bin ich überhaupt? Die Seele baumeln lassen. Wieder Kraft tanken. Ein schöner Gedanke. Eine schöne Idee. Aber was macht man, wenn man sich bewusst gar keine Auszeit nehmen kann? Weiterlesen

Anders und doch normal (6)

Liebe Philip-Julius Leser,

in diesem Monat möchte ich mich einem Thema widmen, welches oftmals zu wenig Aufmerksamkeit erhält und häufig ohne viele Worte unter den Tisch gekehrt wird: Die Partnerschaft mit einem behinderten Kind.

Ein behindertes Kind ist für eine Familie eine besondere Herausforderung. Paare mit einem behindertem Kind sind besonderem Stress ausgesetzt. Oftmals wird dieser zu einer Zerreißprobe für die Ehe und Partnerschaft. Gesunde Kinder bedeuten schon eine große Umstellung für eine Beziehung und verändern eine Partnerschaft grundlegend. Ein behindertes Kind mit besonderen Bedürfnissen stellt in den meisten Fällen die komplette Partnerschaft auf den Kopf und führt in einigen Fällen sogar zur Trennung. Wie in meinem Fall. Weiterlesen

Anders und doch normal (5)

Liebe Philip Julius Leser,

glücklich trotz Behinderung? Diese Frage beschäftigt mich in letzter Zeit wieder sehr stark. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen der Ansicht sind, ich müsse wohl sehr unglücklich sein, da ich ein behindertes Kind habe und zudem noch alleinerziehend bin.

„Du wirkst so glücklich. Bist Du wirklich glücklich?“
„Wie kannst Du nur so positiv durchs Leben gehen?“
„Du musst doch ziemlich unglücklich sein, oder?“ Weiterlesen

Anders und doch normal (4)

Liebe Philip-Julius Leser,

vor ein paar Tagen ist mir beim Entrümpeln meiner Unterlagen mein altes Poesie-Album (ich glaube heute nennt man es Freundschaftsbuch) in die Hände gefallen.

“Rosen, Tulpen, Nelken,
alle drei verwelken,
aber wie das Immergrün
soll stets unsere Freundschaft blühn“. Weiterlesen

Anders und doch normal (3)

Liebe Philip Julius Leser,

das heutige Thema habe ich gewählt, da es meinen Alltag stark bestimmt, mich täglich begleitet und mich des Öfteren traurig, hilflos und wütend macht: die Klassengesellschaft der Behinderung.

Ich habe im Laufe der Zeit gelernt und oftmals live miterlebt, dass es eine Klassengesellschaft der Behinderung zu geben scheint. Die Klassen, die ich dabei bis jetzt ausgemacht habe, sind: Die „niedlichen Behinderten“, die „zutiefst mitleiderregenden Behinderten“ und die „schrecklichen Behinderten“. Weiterlesen

Anders und doch normal (2)

Liebe Philip-Julius Leser,

heute möchte ich gerne über ein Thema schreiben, welches mir sehr am Herzen liegt. Durch Evans chronischer Herzerkrankung und seinem Autismus habe ich sie sehr lange ignoriert und verdrängt: Meine Bedürfnisse. Darf ich trotz des Umstands, dass ich Mutter eines behinderten Kindes bin noch Bedürfnisse haben? Was für mich als Tatsache heute sonnenklar ist, musste ich mir über mehrere Jahre sehr hart erarbeiten. Langsam, Schritt für Schritt wieder zurückholen.

Du hast ein behindertes Kind. Du musst Dich kümmern. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Hobbys? Die darfst Du nicht haben.“ So ähnlich war meine Einstellung noch vor ein paar Jahren. Ich habe diese Einstellung nicht freiwillig gewählt. Sie hat sich langsam eingeschlichen. Einfach so. Ich bin wie in einen Sog geraten, der mich nicht mehr losgelassen und immer weiter in den Abgrund gezogen hat. Zu einem gewissen Zeitpunkt gab es mich nicht mehr. Meine eigenen Bedürfnisse habe ich komplett ignoriert. Weiterlesen